Das Huttenschloss

 
Das Wappen mit der Jahreszahl 1536 verrät den Bauherrn: Lukas von Hutten und Ehefrau Apollonia von Frankenstein. Die Burg Stolzenberg mußte wohl unbewohnbar geworden sein - und, wie es damals üblich war - man zog weiter. Lukas von Hutten baute auf dem Gelände des Hofgutes ein neues Wohnhaus, das seiner Familie bzw. der Linie Hutten-Soden bis zu deren Aussterben 1814 als Wohnhaus diente. Ein gotischer Bau des späten Mittelalters mit Erkern, Staffelgiebeln und rundem Treppenhaus.

Sein Großneffe Johann (gestorben 1617) ergänzte das Schlößchen durch einen Seitenflügel, wie ein Stein mit der Jahreszahl 1594 erkennen läßt, und 1599 durch den Marstall. In dieser Erbfolge erlebte das Schlößchen eine wechselvolle Geschichte seiner Eigentümer.

Nach dem Tode Lukas von Hutten im Jahr 1545 ging das Schloß, da seine Ehe mit Apollonia kinderlos geblieben war, an den Sohn seines Bruders Ludwig über. Valentin von Hutten bewohnte es bis zu seinem Tode im Jahr 1569, ihn beerbte sein einziger Sohn, Johann von Hutten.

Johann von Hutten gehörte dem lutherischen Glauben an. Ungeachtet dessen ließ er sich 1577 mit Anna von Cronberg, einer Nichte des Erzbischofs Daniel Brendel von Homburg, nach katholischem Ritus trauen. Seine Söhne wurden vom katholischen Pfarrer zu Salmünster getauft, während er selbst nach seinen eigenen Worten „wie sein Vater Valentin und seine verstorbenen Vetter der augspurgischen Confession zugetan" blieb. Johann von Hutten starb 1617 und wurde, wie seine Vorfahren, in der Stiftskirche zu Salmünster bestattet.

Von Johann von Hutten ging das Schloß auf seinen zweiten Sohn über. Daniel war mit Katharina von Mörle, gen. Böhm, aus Schloß Ürzell vermählt. Er gilt als Begründer der Sodener Linie, die bereits 1643 mit seinem unverheirateten Sohn Johann Friedrich wieder ausstarb.

So erhielt das Huttenschloß 1643 sein Vetter Georg Ludwig, gen. „der Lange", aus der Salmünsterer Linie. Er war mit Sabine von Hutten zu Frankenberg verheiratet und hatte zwei Söhne. Georg Ludwig starb 1691 in Ungarn.

Johann Philipp, der zweite Sohn von Georg Ludwig, war in zweiter Ehe mit Margarete von Frankenstein verheiratet. Dieser Ehe entstammt Johann Georg, der einzige Sohn wurde 1697 geboren. Johann Georg ehelichte 1728 Karoline Eleonore von Hanstein, er starb 1775 in Soden.

Der wiederum einzige Sohn von Johann Georg war Karl Philipp von Hutten. Als dieser am z. Februar 1814 kinderlos starb, ging das Schloß Soden mit all seinen Besitzungen an die damals allein noch existierende Linie Hutten-Steinbach, welche in Romsthal begütert war, über.

Fast dreihundert Jahre lang war das Schloß im Besitz derer von Hutten, nun kam es in bürgerliche Hände. Der aus Rheinpfalz stammende Holzkaufmann Jean Pierre Dupré (1762-1848), verheiratet mit Charlotte, geh. Leisler (1768-1843) aus Hanau am Main, erwarb das Huttenschloß in 1819. Von seinen 8 Kindern erhielt Sohn Philipp das Schloß und das dazugehörige Hofgut. Dieser gab es an seinen Bruder Wilhelm weiter, der die zu dem Anwesen gehörende Sägemühle betrieb. 1860 heiratete Wilhelm die aus Salmünster stammende Ernestine Weisbecker. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Friedrich (Fritz) und Emilie (Emmy), die das Huttenschloß 1865 erhielten.

Friedrich Dupré erlangte übrigens weltweiten Ruhm. 1895 gründete er in London die Firma Friedrich Dupré & Co., die mit Eisen- und Manganeisenerzen aus Griechenland und Spanien handelte. Seine weiteren Beteiligungen in Brasilien, in Indien, im Kaukasus und an der Goldküste ermöglichten ihm Lieferungen dieses Erzes fast in die ganze Welt. Er wurde weltweit als „Manganerzkönig" bekannt.

Aber auch für das Heilbad ist das Huttenschloß von historischer Bedeutung. 1875 hatte der aus Gießen stammende Ingenieur Georg Vitriarius das Nutzungsrecht über das ganze Quellengebiet in einer Schenkungsurkunde übertragen bekommen, u. a. mit der Verpflichtung, binnen Jahresfrist eine Badeanstalt zu errichten. Seinen Schwager Balthasar Emmerich betraute er mit der Durchführung.

So wurden die Kellerräume des Huttenschlosses als Badezellen hergerichtet. Mit sechs großen Holzbottichen entwickelte sich nun unter dem Namen „Soolbad Soden-Stolzenberg" ein bescheidenes Badeleben. Von 1876 bis zur Errichtung des Kur- und Badehauses an der Salz im Jahr 1881 wurden hier Heilbäder verabreicht. Das Heilwasser wurde in Holzfässern zum Schloß transportiert. Aufgefundene Reste von Holzrohren lassen darauf schließen, daß später eine Rohrleitung von der Huttenquelle zum Huttenschloß gebaut wurde.

1901 wurde das Schloß mit den dazugehörigen Grundstücken an den Geheimen Kommerzienrat Johann Adolf Krafft aus Offenbach verkauft, welcher es als Sommerresidenz für seine Familie umbaute. Es wurde mit sanitären Anlagen, elektrischem Strom und Warmwasser-Zentralheizung ausgestattet. Ein Park im englischen Stil mit großen Springbrunnen entstand. Auf dem zum Schloß gehörenden Gelände betrieb Johann Adolf Krafft nun als Inhaber die 1869 von Carl Anselm gegründete Stolzenberger Garnfabrik. In 1922 erwarb die Firma Carl Anselm (später Krafft Erben) das Huttenschloß von Johann Adolf Krafft. 1952 ging es mit der Garnfabrik an die Firma Voigt und Haeffner, Elektroindustrie AG, Frankfurt (Main), über, die 1971 in die Firma Siemens eingegliedert wurde. Das Huttenschloß wurde von beiden Firmen als Kantine, Schulungsstätte und Wohnhaus genutzt.
 

- Quelle: Heimat- und Geschichtsverein Bad Soden-Salmünster -


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